Blinde Träume

von David Moat

Das Stück

Plakat

Eine Gruppe von Behinderten, Blinde und Autisten, verbringt den Tag mit Spielen und Gymnastik unter der Anleitung eines Trainers. Dieser ist auf seinem Weg zu der seiner Arbeitsstelle von Jugendlichen überfallen und in den Fluß geworfen worden. Damit kommt das Thema Gewalt in die friedliche harmlose Szenerie und steigert sich dramatisch zum Schluß hin. Das Opfer wird zum Täter und die unbedarften Kranken mit der Gewalttätigkeit Gesunder konfrontiert. Fürsorge wird zur Lieblosigkeit, zur Gleichgültigkeit, ja zum Hass.

Die Erzieher und die Behinderten verstehen Worte. Gesten, Küsse unterschiedlich. Es ist insofern auch ein Stück über Kommunikationsprobleme, mit denen wir es tagtäglich zu tun haben und nicht nur in Ausnahmesituationen. Was den einen in ihrem Lebenskreis Beiwerk, Nebensache, Vergnügen oder Spaß ist, nehmen die anderen ernst als Hoffnung, vielleicht als Versprechen auf ein "normales" Familienleben, die Erfüllung sehnsüchtiger Wünsche und Träume. Daran schließt sich die Frage an: Sind die Binderten moralisch integer und die Gesunden moralisch krank?

Ein Stück zum Diskutieren, Deuten, Interpretieren.

David Moat ist Engländer, hat das Stück 1968 geschrieben, sich danach aber mehr der Medizin als der Literatur verschrieben. Regisseur Christos Nicopoulos hat das Werk in England kennengelernt, in der deutschen übersetzung von Barbara Goethe wiederentdeckt und vor 10 Jahren schon einmal in Bonn inszeniert.